Hintergrund

Die Idee für das DNE ist im Zuge der Professionalisierung des Case Managements bei EXIT-Deutschland und HAYAT entstanden. Die langjährige Beratung von Familien mit dem Ziel der Deradikalisierung und die Begleitung ausstiegswilliger Klienten haben den Bedarf deutlich gemacht, psychologische, psychotherapeutische und sozialpsychiatrische Kompetenzen stärker in das Case Management einzubeziehen.

Das DNE will dazu einen Beitrag leisten, indem es multiprofessionelle Kooperationen aufbaut und auf diese Weise das Arbeitsfeld der Deradikalisierung und Ausstiegshilfen aus Extremismus und Gewalt insgesamt stärkt. Damit erprobt unser Modellprojekt einen relativ neuen Weg in der Auseinandersetzung mit Radikalisierung und extremistischer Gewalt. Denn die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Islamismus ist bislang traditionell eine Domäne der politischen Bildung und der sozialen Arbeit gewesen.

Als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes zur Prävention und insbesondere zur Deradikalisierung will das DNE die konzeptuellen und praktischen Möglichkeiten der Psychologie und ihrer Teilgebiete (z.B. Familienpsychologie, forensische Psychologie), der Psychotherapie, Sozialpsychiatrie und psychosozialen Kriminologie (z.B. im Bereich deliktpräventiver Therapien) noch stärker erschließen.

Die Arbeit in diesem Feld berührt in intensiver Weise die Wertegrundlagen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Unsere Netzwerkarbeit und Kooperation mit psychosozialen und psychotherapeutischen Berufsgruppen soll daher als ein reflexiver Prozess verstanden werden. Denn methodisch-praktische Fragen der Intervention müssen im Feld der Extremismus-Prävention immer in enger Verbindung mit ethischen Fragen behandelt werden.

Dies macht es aus unserer Sicht notwendig, sich auch grundlegende Fragen nach der ‚Subjekt-Konzeption‘ zu stellen, die der eigenen Arbeit zugrunde liegt. Denn nicht selten kursiert in der Fachdebatte und der Öffentlichkeit eine eher reduktionistische Konzeption von Subjektivität (die entweder in eine sozial-deterministische oder mitunter auch in eine psychopathologische Richtung kippt).

Das DNE möchte der eigenen Arbeit hingegen einen psycho-sozialen Ansatz zugrunde legen, der die komplexen Verflechtungen des Psychischen und Sozialen in der Konstituierung der individuellen Subjektivität, im Leben von Gruppen und gesellschaftlichen Strukturen angemessen berücksichtigt. Wir glauben, dass dies uns im Verständnis der Probleme und der eigenen Praxis weiterführt und dass es ein solcher Ansatz für die Reflektion ethischer Fragen unerlässlich ist.