20. September 2019

Extremismus und Risiko - Fachtag 17.09.2019 -

(wiia-network) Die Bewertung und der Umgang mit Risiken stellt in der Arbeit mit sich radikalisierenden oder bereits radikalisierten Personen und ihrem Umfeld eine besondere Herausforderung dar.

Im Zuge seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik lud das Diagnostisch-therapeutische Netzwerk Extremismus (DNE in Trägerschaft der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH am 17.09.2019 bundesweit einschlägige Fachkräfte der Deradikalisierungs- und Beratungsarbeit zu einem Fachtag ein.
Die einleitenden Worte des Geschäftsführers und Projektleiters Dr. Bernd Wagner, Dipl.-Kriminalist und Kriminaloberrat a.D. zeichneten den trägerinternen Fachdiskurs bzw. Arbeitsprozess nach und umrissen bisherige Ergebnisse und Höhepunkte der inhaltlichen Auseinandersetzung und des praktischen Austauschs, in welche sich die die Veranstaltung einreihte.

Im Anschluss gab die Islamismusexpertin Claudia Dantschke, Leiterin der Beratungsstelle HAYAT (Initiative HAYAT-Deutschland) im Träger, einen prägnanten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Phänomenbereich Islamismus und deren praktische Implikationen.

Der Beitrag des Kriminaldirektor a.D. Wolfgang Würz, Senior Expert und ehemaliger Leiter des St3/ BKA, brachte dem Auditorium die sicherheitsbehördliche Perspektive näher und ging dazu auf polizeiliche Gefahrenbegriffe sowie Ansätze der Sachverhalts- Ermittlungs- und Personensachverhaltsbearbeitung ein: Neben dem 8-stufigen Prognosemodell und der Operativen Fallanalyse wurden insbesondere das Risikobewertungsinstrument RADARiTE und das einzelfallorientierte Risikoanalysesystem RISKANT zur Einschätzung potentieller Gewaltstraftätern aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus vorgestellt.

Nach der Mittagspause wurden die drei trägerintern entwickelten Ansätze zur Einschätzung von bzw. zum Umgang mit Risiken präsentiert und zur Diskussion gestellt: Fabian Wichmann von der EXIT-Deutschland in der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH stellte anhand eines Fallbeispiels die von Dr. Michail Logvinov entwickelten Risikokategorien und -indikatoren zur Risikobeurteilung der Ausführungsgefahr extremistischer Gewalt vor und betonte die Bedeutung von Kontextinformationen für die bewertende Analyse von Beobachtungen.

Die Strukturierungshilfe zur Analyse von (De)Radikalisierungsprozessen (SaDeRa) wurde von Tabea Fischer, Klinische Psychologin im DNE-Deutschland, entwickelt und vorgestellt. In Reaktion auf, die von Seiten der Praxis formulierten Bedarfe, soll es Beratende dabei unterstützen, Fallinformationen zu strukturieren, passive und aktive Gefährdungsaspekte mit im Blick zu behalten und geeignete Interventionen abzuleiten.

Im Kontrast zu den beiden individuumszentrierten Ansätzen richtete das Modell von Dr. Bernd Wagner das Augenmerk zuletzt auf den Kontext von Radikalisierungsprozessen und dessen Bewertung. Dabei ging er in der Präsentation insbesondere auf mögliche Phasen der Radikalisierung, Deradikalisierung oder Reradikalisierung und ihre Besonderheiten ein.

Die Veranstaltung war Teil einer Reihe von Publikationen und Veranstaltungen der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH zum Thema Risikobewertung und Risikomanagement in der Deradikalisierung extremistischer Potenziale und der dort angesiedelten Beratungsarbeit die noch bis Ende 2019 durch die Bundesregierung gefördert wurde.
Danach wird voraussichtlich die „Förderung“ im Spektrum des bundesweiten militanten Rechtsextremismus ohne staatliche „Förderung“ vollzogen oder nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit eingestellt werden müssen, mit vielfältigen Lebens-und Sicherheitsrisiken der dadurch Betroffenen mehr als 100 Personen und mit Risiken für den Opferschutz, der auch die Präemption von Anschlägen und Tötungsdelikten einschließt.
Die Lage wird durch das BMFSFJ unter der Leitung der SPD-Politikerin Franziska Giffey und ihrem Referenten Thomas Heppener die Konzeptionierung des neuen Programms Demokratie leben! verursacht und damit bezeugt, das das Ministerium, die Bundesregierung insgesamt, keinen wirklichen strategischen ´„Plan“ zur gesellschaftlichen Bekämpfung des militanten Rechtsextremismus und des originären Opferschutzes der potenziell Stigmatisierten und Betroffenen auf nationaler Ebene in Verbindung mit den internationalen Partnern verfügt. Ein unerklärlicher Widerspruch zur „antifaschistischen“ Warn- und Alarm-Rhetorik der Politik und der Medien und ihren Aufrufen zum „Kulturkampf“.
(tf/wa)